Abschlusskonferenz des Projekts zur Rolle der Gewerkschaften in der Fintech-Branche

16.05.22

Finanzen

Abschlusskonferenz des Projekts zur Rolle der Gewerkschaften in der Fintech-Branche

Abschlusskonferenz des Projekts zur Rolle der Gewerkschaften in der Fintech-Branche

Am 10. Mai fand in Kopenhagen die Abschlusskonferenz des von der EU finanzierten Forschungsprojekts (VS/2020/0113) statt, das die Auswirkungen von Fintech-Unternehmen auf den Finanzsektor sowie die Rolle untersucht hat, die Gewerkschaften bei der Sicherung guter Arbeitsbedingungen in diesem Sektor spielen könnten. Unter den 60 Teilnehmern waren Gewerkschaftsmitglieder aus zahlreichen europäischen Ländern sowie Vertreter von Arbeitgeberorganisationen und Fintech-Verbänden.

Das Projekt, das seit zwei Jahren läuft, wird gemeinsam von UNI Europa, The Nordic Financial Unions und der Universität Göteborg durchgeführt. Das Forschungsteam wurde um weitere Forscher erweitert, unter anderem von der Universität Tartu, der Radboud-Universität und der Universität Kopenhagen. Das Projekt hat vier Zielländer, nämlich Schweden, die Niederlande, Estland und Dänemark, in denen Interviews und spezifische Untersuchungen durchgeführt wurden, um Vergleiche anzustellen und Best-Case-Beispiele zwischen den verschiedenen Ländern herauszustellen.

Nach einer Präsentation der Projektergebnisse durch einen der leitenden Forscher, Bertil Rolandsson, wurden im Laufe des Tages vier Panels abgehalten. Während die ersten beiden Panels der Erörterung der Forschungsergebnisse und der Vertiefung der Besonderheiten der Fintech-Entwicklung in den Zielländern gewidmet waren, konzentrierten sich die letzten beiden Panels mehr auf die Bedeutung von Qualifikationen im Finanzsektor und den weiteren Weg für Gewerkschaften und den Fintech-Teil des Finanzsektors.

An der ersten Diskussionsrunde, die unter der Überschrift "Diskussion der nationalen Aspekte des Projektberichts" stand, nahmen Anna Ilsøe, außerordentliche Professorin am Forschungszentrum für Arbeitsbeziehungen der Universität Kopenhagen, Jaan Masso, Programmmanager an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Tartu, Bengt Larsson, Professor für Soziologie an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Göteborg, und Paul Suilen, der bei der FNV und der niederländischen Zentralbank in den Niederlanden arbeitet, teil. Die Podiumsdiskussion wurde von Morten Clausen, Direktor für Finanzregulierung, UNI Europa Finance, moderiert und gab den Diskussionsteilnehmern die Möglichkeit, ihre länderspezifischen Untersuchungen, die sie im Rahmen des Projekts durchgeführt hatten, zu erläutern. Beispiele wie der von Finansforbundet und dem Arbeitgeberverband für Fintech-Unternehmen in Dänemark unterzeichnete Tarifvertrag wurden ebenso angesprochen wie die Tatsache, dass Fintech den Finanzsektor nicht so stark zu stören scheint, wie zunächst angenommen, sondern eher eigene Nischen entwickelt oder sich in den bestehenden Rahmen integriert. Die oft kurzfristige Zusammenarbeit zwischen Fintechs und etablierten Instituten wurde ebenfalls als Zeichen für die zunehmende Dynamik des Sektors genannt. In Bezug auf die Gewerkschaften in diesem Sektor wies die Zustimmung des Panels darauf hin, dass die Gewerkschaften ihre Zusammenarbeit mit anderen Interessengruppen ausweiten müssen, um Fintech-Verbände, Universitäten und die Orte, an denen Fintech-Beschäftigte erreicht werden können, einzubeziehen und so ihre Präsenz auszuweiten und die Fintech-Beschäftigten zu erreichen, die oft nur sehr wenig über Gewerkschaften wissen und wenig Bedarf an ihnen sehen, bis sie möglicherweise zusätzliche Unterstützung benötigen. Wie dieses Engagement stattfinden kann, muss natürlich von Kontext zu Kontext variieren, aber ein Beispiel könnte die Schaffung von Büroräumen sein, in denen Fintechs sich treffen und zusammenarbeiten können, da Kooperation und Ideenaustausch in der Fintech-Gemeinschaft oft viel weiter verbreitet sind als im übrigen Finanzsektor.

Das zweite Panel mit dem Titel "Überlegungen der Sozialpartner zum Projektbericht und Erkundung verwandter Initiativen" brachte Redner von den Gewerkschaften, Massimo Mensi, Abteilungsleiter, UNI P&M und Oliver Hauser, Gewerkschaftssekretär, Ver.di, sowie Simon Schou, Chief Innovation Officer, Copenhagen Fintech und Paolo Guidici, Professor für Statistik, Universität Pavia, zusammen. Die Podiumsdiskussion wurde von Trine Pernille Larsen, Associate Professor, Employment Relations Research Centre, Universität Kopenhagen, moderiert. Die Podiumsdiskussion ermöglichte es Fachleuten aus der Praxis, sich zu den Forschungsergebnissen des Projekts zu äußern und sie mit ihren eigenen Erfahrungen zu kontextualisieren. Einige der wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Panel waren die Erinnerung daran, dass nicht alle, die in einem Fintech-Unternehmen arbeiten, gefragte IT-Ingenieure sind, und dass diese Arbeitnehmer oft weniger unabhängige Verhandlungsmacht haben, als man normalerweise für den gesamten Sektor annimmt. Dies ist ein wichtiger Aspekt, den die Gewerkschaften im Auge behalten sollten, und ist auch ein Argument dafür, warum die Gründung von Betriebsräten in Fintech-Unternehmen ab einer gewissen Größe sinnvoll ist. Ein weiterer Diskussionspunkt auf diesem Panel waren die Herausforderungen und Möglichkeiten, die die Digitalisierung des Finanzsektors mit sich bringt. Denn wie die Diskussionsteilnehmer erörterten, könnte Big Tech, wenn es die Praktiken von z.B. Amazon übernimmt, schwerwiegende negative Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen in diesem Sektor haben. Dennoch starten viele Start-up-Fintech-Unternehmen, zumindest in den Zielländern, mit recht positiven Ambitionen, indem sie Dienstleistungen anbieten, für die sie einen Bedarf sehen, und diesem Bedarf eine höhere Priorität einräumen als der reinen Gewinnmaximierung.

Die dritte Podiumsdiskussion des Tages war dem Thema "Qualifikationen und Talente, wie sie entwickelt und gehalten werden können" gewidmet und wurde von Diederik Bruggink, Leiter der Abteilung Innovation und Zahlungsverkehr, ESBG; Dr. hab. Renata Włoch, Wissenschaftliche Direktorin, Fakultät für Soziologie, Universität Warschau; Petru Dandea, Generalsekretär des nationalen Gewerkschaftsverbands Cartel ALFA und Vertreter des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses; Arne Fredrik Håstein, Vizepräsident, Finansforbundet Norwegen und Maurice Jongmans, CEO, Payment Innovator. Moderiert wurde das Panel von Simon Jernberg, Policy Advisor, Nordic Financial Unions. In Anbetracht des derzeitigen Mangels an IT-Fachkräften auf dem Markt konnte jeder der Diskussionsteilnehmer seine eigene Sichtweise auf die Herausforderungen darlegen, die sich daraus für den Fintech- und den Finanzsektor im Allgemeinen ergeben, und gleichzeitig Überlegungen anstellen, wie der Mangel behoben werden könnte. Dazu gehörten Beispiele für die Zusammenarbeit von Gewerkschaften mit Bildungseinrichtungen, die gemeinsam spezifische Schulungsmodule für derzeitige und künftige Mitarbeiter im Finanzsektor entwickeln, um sicherzustellen, dass sie über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen, um sich problemlos im Finanzsektor zu bewegen und dies auch in den kommenden Jahren tun zu können. In den Gesprächen wurde auch die Europäische Kommission ermutigt, zur Schaffung von mehr Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten beizutragen, um spezifische Qualifikationsdefizite zu beheben. Auch Maurice Jongmans sprach darüber, wie wichtig es für etablierte Finanzinstitute sei, Fintechs weniger als Konkurrenten, sondern vielmehr als potenzielle Partner zu sehen und Ressourcen und Wissen zu teilen, was sowohl den Unternehmen selbst als auch den Kunden zugute komme.

Die vierte und letzte Podiumsdiskussion des Tages befasste sich mit dem Thema "Der Weg in die Zukunft, wie der Fintech-Sektor in Zukunft organisiert sein wird". Die Diskussionsteilnehmer waren Ella Sjödin, Direktorin für Politik und öffentliche Angelegenheiten, Finansförbundet; Louise Grabo, Generalsekretärin, Schwedischer Fintech-Verband; Peter Kerstens, Berater für technische Innovation und Cybersicherheit, GD FISMA, Europäische Kommission und Morten Holm Bundgaard, Senior Consultant, LL.M., Dänischer Arbeitgeberverband für den Finanzsektor (FA); moderiert wurde die Diskussion von Carin Hallerström, Generalsekretärin, Nordic Financial Unions. Im Laufe des Panels wurde eine Reihe wichtiger Themen angesprochen, darunter die stets präsente Frage, ob es bei der Regulierung gleiche Wettbewerbsbedingungen für Fintechs und traditionelle Finanzunternehmen gibt. Interessant dabei ist, dass beide Seiten der Debatte sich als diejenige sehen, für die die Regulierung zu ihren Ungunsten ausfällt. Es wurde auch die Frage aufgeworfen, ob die europäischen Fintech-Unternehmen mutig genug seien. Dabei wurde angemerkt, dass die europäischen Fintechs in Bezug auf ihre Wertangebote viel vorsichtiger seien als die amerikanischen, obwohl sie oft über eine viel bessere Infrastruktur zur Unterstützung ihrer Angebote verfügten. Dies führte oft dazu, dass europäische Unternehmen im Wettbewerb unterlegen waren oder sich selbst unnötige Beschränkungen auferlegten, die eine Ausweitung verhinderten. Auf die Frage, welche Rolle die Gewerkschaften in der Zukunft des Sektors spielen könnten, wurde erneut auf die Notwendigkeit hingewiesen, innovativ und forschend zu sein, sowie auf die Möglichkeit, dass die Gewerkschaften eine aktive Rolle bei der Förderung einer größeren Vielfalt im Sektor in Bezug auf Geschlecht, Fähigkeiten und Hintergrund spielen könnten.

Weitere Informationen über das Projekt sowie die Projektberichte und Aufzeichnungen von Veranstaltungen, die während der Projektlaufzeit stattfanden, finden Sie auf der Projektwebsite: www.fintechandtradeunions.com

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